Einblicke in eine fremde Kultur

20. März 2020
01/2020

Japan – ein beliebtes Reiseziel und Austragungsort der diesjährigen Olympischen Sommerspiele. Was wissen wir über das Land und seine Bewohner, deren Kultur und ihre Eigenheiten?

Als Korrespondent ist es Martin Fritz ein besonderes Anliegen, eine andere Kultur respektvoll zu betrachten und fair zu erklären. Seit rund zwei Jahrzenten lebt er in Tokio und schreibt für zahlreiche Medien in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland über Japan.
Als westliche Magazine und Zeitungen nach den Kernschmelzen von Fukushima im März 2011 Reporter nach Japan schickten, stellte er fest, dass die Artikel oft von groben Sachfehlern über Land und Leute strotzten. «Die Gesichtsmasken zum Beispiel, die viele Japaner damals trugen, interpretierten einige eingeflogene Berichterstatter als Beweis für eine Massenhysterie vor radioaktiver Verstrahlung. Doch der Zusammenhang existierte nur in der Fantasie der Reporter: Damals wie heute schützen sich viele Japaner zwischen Januar und März mit ihren Masken vor Zedernpollen, damit sie weniger an Heuschnupfen leiden.»
Solche und viele andere Fehlinterpretationen oder Klischees räumt Martin Fritz in seinem Allrounder zum Nachschlagen, Zwischendurchlesen oder als Begleiter auf dem nächsten Japantrip aus dem Weg. Gleichzeitig wirft er einen kritischen, aber liebevollen Blick auf seine Wahlheimat.
Nachfolgend ein Beispiel – passend zum Thema der vorliegenden Marginalie – für die informativen und nicht selten verblüffenden Kurztexte, die in «Abc 4 Japan» in alphabetischer Reihenfolge erscheinen.

Katzencafé 猫カフェ

Die Idee für ein Café mit frei laufenden Katzen (neko kafe) entstand in Taiwan, doch von Anfang an waren viele Geschäftsreisende und Touristen aus Japan unter den Besuchern. Dies inspirierte Hanada Norimasa dazu, 2004 das erste Café dieser Art im Grossraum Tokio zu eröffnen. Jedoch stellte er bald fest, dass es nicht genug Katzenfreunde gab. Erst als er gezielt Pärchen als Gäste ansprach, hatte er Erfolg. «Beim Dating finden es junge Japaner einfacher, gemeinsam Katzen anzufassen, als zusammen ins Kino zu gehen», erklärt er. Bald ahmten andere Kleinunternehmer das Konzept nach und eröffneten Tiercafés mit Hasen, Minischweinen, Schildkröten, Igeln, Eulen und sogar Zwergottern. Was bei mir die Frage auslöste, warum diese Cafés nur in Japan boomen. Meine Erklärung: Wegen ihrer zurückhaltenden Art tun sich viele Japaner mit der zwischenmenschlichen Kommunikation vergleichsweise schwer. Leichter fällt es ihnen unter Alkoholeinfluss, daher treffe ich mir sympathische Japaner am liebsten zum Bier. Eine andere Option für eine unverkrampfte Atmosphäre bietet die Beschäftigung mit Tieren. Viele Japaner entspannen sich dabei so sehr, dass sie sich benehmen, als ob sie im eigenen Wohnzimmer sässen. Daher mein persönlicher Tipp an alle, die Japanern näherkommen möchten: Geht mit ihr oder ihm in die Kneipe oder ins Katzencafé.
Endlich ist es da, das Nachfolgewerk von Arthur Honeggers erfolgreichem «Abc 4 USA».
Martin Fritz
Abc 4 Japan
Ein Kulturguide
 
ca. 272 Seiten, broschiert
ca. CHF 34.– / ca. Euro 29,–
Erscheint im Mai 2020
978-3-7272-6047-6